Ausflug der Singgemeinschaft Gunzendorf in den Odenwald
Nachdem sie ihre staatsbürgerliche Pflicht mit Briefwahl erfüllt hatten, konnten sich die Sängerinnen und Sänger sowie Angehörige und Freunde unbeschwert auf den Weg machen. So startete am Sonntag der Bundestagswahl die Reisegruppe der Singgemeinschaft Gunzendorf in aller Frühe zu ihrer Fahrt in den Odenwald, nach Buchen am südöstlichen Rand desselben, um genau zu sein. Auf der Bundesstraße 505 und der Autobahn A3 ging es im modernen Reisebus des ortsansässigen Busunternehmens zunächst durch den Steigerwald mit seinen Nationalparkverdächtigen Buchenwäldern. Und über die mächtige Autobahnbrücke, auf der bei Randersacker der Main überquert wurde, und die einen einzigartigen Blick auf Würzburg samt Festung Marienberg freigibt.
Wie sich herausstellen sollte, war die Fahrzeit sowohl bei der Hinfahrt als auch am Abend bei der Rückreise großzügig bemessen. Somit blieb für den einen oder anderen Ausflügler bis zum Beginn des offiziellen Tagesprogramms noch genügend Zeit, im Cafe oder Restaurant das am Morgen zu kurz gekommene Frühstück nachzuholen.
Nun wird sich mancher Leser dieser Zeilen fragen, wieso gerade Buchen als Zielort ausgewählt wurde. Die Antwort ist ganz einfach. Sangeskollegin Renate Auerswald, die einige Jahrzehnte in der Region lebte, konnte ihre nach wie vor bestehenden freundschaftlichen Beziehungen nutzen und somit eine Verbindung herstellen. Die Stadt Buchen gehört zum Neckar-Odenwald-Kreis im Norden von Baden-Württemberg und hat circa 18.000 Einwohner.

Gottesdienst in der Stadtkirche Sankt Oswald in Buchen
Am späten Vormittag fand in der katholischen Stadtkirche Sankt Oswald der Sonntagsgottesdienst statt. Die Kirche, aus rotem Sandstein und im gotischen Baustil errichtet, erfuhr im Laufe der Jahrhunderte mehrere An- und Umbauten, zuletzt 1989/90, als der gesamte Altarraum neu gestaltet wurde. Für Chorleiter Bernhard Stadter und seine Sängerinnen und Sänger war es eine Ehre, zweifelsohne der Höhepunkt des Ausfluges, als Gemischter Chor den Gottesdienst musikalisch mitgestalten zu dürfen. Es erklangen: „O Herr, welch` ein Morgen", die deutsche Version eines nordamerikanischen Spirituals, „Lobe den Herren", eine kleine Choralmotette von Hugo Distler (1908-1942), „O Herr, gib Frieden", die deutsche Fassung des Liedes „lebe Pajom" des ukrainisch-russischen Komponisten Dimitri Bortnjanski (1751-1825) und die Motette „Locus iste" von Anton Bruckner (1824-1896). Mit dem Kirchenlied „Großer Gott, wir loben Dich", hinterlegt durch mehrstimmigen Chorgesang, endete der Gottesdienst.
Zur Mittagszeit wartete das Restaurant Reichsadler auf die Reisegruppe. Bei regionalen Spezialitäten, wie zum Beispiel den Odenwald-Teller, Weißwein aus Franken und angeregten Gesprächen, ließ man es sich gut gehen. Nach dem ausgiebigen Mittagsmahl kam es wie gerufen, dass Herr Günter Ellwanger, Beamter bei der Stadt Buchen, sich bereiterklärte, bedeutende Sehenswürdigkeiten seiner Heimatstadt den Gästen aus dem Landkreis Bamberg zu zeigen. Erwähnt seien der Stadtturm (Mainzer Tor), der als einziger von mehreren Türmen erhalten geblieben ist, die Marktstraße in der Innenstadt, das im Stil des Spätbarock aus rotem Sandstein errichtete Alte Rathaus und die Stadtkirche, in der am Vormittag die Messe gefeiert wurde. Hingewiesen wurde auch auf eine Gedenktafel, die an die in der Zeit des Nationalsozialismus zerstörte Synagoge erinnert. Bekannt ist auch die „Buchener Faschenacht" mit einer über 500 jährigen Tradition.

Amorbach und die ehemalige Benediktinerabtei
Erster Vorsitzender Albert Först bedankte sich bei Herrn Ellwanger für dessen fachkundige Stadtführung und nach kurzen Auf-Wiedersehens-Worten ging die Fahrt, am Wallfahrtsort Walldürn vorbei, weiter zum zweiten Zielort der Reise, nach Amorbach. Die Stadt im unterfränkischen Landkreis Miltenberg liegt im östlichen Teil des Odenwaldes in waldreicher Umgebung im nach Norden zum Main führenden Tal des Mudbaches. Obwohl nur knapp 4000 Einwohner, besitzt Amorbach eine erstaunlich große Anzahl von sehenswerten Bauwerken und Kulturdenkmälern. Genannt seien das spätgotische Alte Rathaus, das Templerhaus, welches als das älteste Fachwerkgebäude in Bayern gilt, die barocke Stadtpfarrkirche Sankt Gangolf, das Fürstlich Leiningensche Palais aus dem 18. Jahrhundert und die ehemalige Benediktinerabtei.
Ursprünglich im romanisch-gotischen Stil erbaut, wurde die Abtei im 18. Jahrhundert durch prächtige Barockbauten ersetzt und erweitert. Heute ist das ehemalige Kloster im Privatbesitz des Fürstenhauses zu Leiningen. Die Fürstliche Abteikirche und der Konventbau mit Bibliothek und dem „Grünen Saal" können besichtigt werden. Diese Möglichkeit wurde von dem überaus größten Teil der Sängerinnen und Sängern in die Tat umgesetzt und eine Mitarbeiterin des Informationszentrums Bayerischer Odenwald gab für die Gruppe eine individuelle Abteiführung. Im Mittelpunkt der Klosteranlage steht die von den führenden süddeutschen Künstlern geschaffene und erst kürzlich restaurierte Abteikirche mit ihrer künstlerisch wertvollen und nahezu vollständig erhaltenen Innenausstattung. „Die gewaltige Barockorgel mit ihren 5116 Pfeifen, 65 klingenden Registern und einem Glockenspiel auf vier Manualen und Pedal sorgt für ein einmaliges Klangerlebnis, wovon man sich bei den alljährlichen ,Amorbacher Abteikonzerte` und Orgelvorspielen überzeugen kann," wie es in einem Prospekt heißt. Heute wird die Kirche von der evangelischen Kirchengemeinde Amorbach für Gottesdienste genutzt. Die Bibliothek wurde im sogenannten „Amorbacher Zopfstil" gebaut und zählt zu den bedeutendsten Bibliotheken des 18. Jahrhunderts. Der Grüne Saal, ein frühklassizistisch ausgestatteter Festsaal diente und dient für Empfänge, Festessen und Konzerte.
Nach so viel Kultur wurde es Zeit für den Besuch im Cafe Schloßmühle. Es gab unter anderem Kaffee, Tee oder heiße Schokolade, für manche auch Fränkischen Weißwein, dazu die obligatorische Schwarzwälder-Kirsch-Torte und Kuchen, belegt mit Beeren von den umliegenden Wiesen und Wäldern. Irgendwann kam die Zeit des Aufbruchs und als alle im Bus Platz genommen hatten, wurden sie mit den ersten Hochrechnungen der gerade zu Ende gegangenen Bundestagswahl konfrontiert. Einige Stunden später wurden die Heimatorte erreicht, mit der Gewissheit, einen wunderschönen und abwechslungsreichen Tag erlebt zu haben. Text: Hans Gebhardt